Zur Weihnacht 2025

Dem Boten aus der himmlischen Welt hat es sicher fast das Herz zersprengt vor Freude, dass er diese Botschaft zu den Hirten und in die Welt hinausrufen durfte: “Euch ist heute der Heiland geboren, das ist Christus, der Herr!”

Wenn wir die Darstellung des Weihnachtsgeschehens betrachten, entdecken wir, dass alle Gestalten um eine Mitte gesammelt sind. Zu ihr sind sie gekommen. Dorthin blicken sie. Ihr strecken sie die Hände und Gaben entgegen. Ihretwegen sind sie da. Und ohne diese Mitte dächte heute keiner mehr an Maria und Josef, spräche niemand mehr von den Weisen aus fernen Ländern und von den Hirten, die von Bethlehems Fluren herbeigeeilt kamen. Dann wäre das Wort von der Krippe bedeutungslos und ohne jede Symbolkraft. Diese Mitte war und ist Jesus. Die Weihnacht markiert einen heilsgeschichtlichen Quantensprung: GOTT – mit ”kleinem himmlischen Engel-Gefolge” – öffnet im Stall von Bethlehem bei der Geburt des Sohnes die Grenze zwischen Himmel und Erde. Weder in den vergangenen Jahrtausenden noch heute vermochte je ein Mensch diese verschlossene Grenze in eigener Macht zu überschreiten. Hier personifizierte sich Gottes letztes Angebot, das den Tod überwindet und Heil gewährt, seit in “Adam” und “Eva” alle Menschen, aus dem Paradies vertrieben, dem Tod verfielen.

Der durch Gottes allmächtige Heiligkeit verschlossene Weg ins verlorene Paradies ist seit dieser einzigartigen, historisch zeitlich wie räumlich geerdeten Weih-Nacht im Stall von Bethlehem für alle Paradies-Sucher nun frei.

Um ihn als Mitte versammelt, können beieinander sein, die sonst nicht zueinander finden: arme Handwerksleute, am Rande der Gesellschaft lebende Hirten und vermögende, weitgereiste Gelehrte. Jesus zugewandt, für Gottes Gabe dankbar und anbetend findet bis heute zueinander, was sonst himmelweit geschieden bliebe: Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildungsgrade, Alte und Junge, Starke und Schwache, Begabte und weniger Begabte, Gefühlsarme und Gefühlsreiche, Choleriker und Melancholiker. Was sonst auseinanderbricht in Misstrauen und Streit, wird zusammengehalten in Vertrauen, gegenseitiger Fürsorge und Liebe, wo Jesus die Mitte ist.

Lasst uns miteinander in dieser Weise die vor uns liegende festliche Zeit erleben. Und nicht nur diese weihnachtliche Zeit, sondern alle unsere Tage: Jesus zugewandt.

B. Schöttelndreyer

Literatur:

Dieter Müller, Horst Zentgraf und Wilhelm Busch